Manchmal muss man vorgeschriebene Wege verlassen. Neue Wege entdecken. Trampelpfade gehen, die nur wenige vor einem gegangen sind, und nur wenige nach einem gehen werden. Seine Fesseln lösen. Alles, was einen noch hier hält. Sich befreien. Ausbrechen. Laufen. Nicht davonlaufen. Sondern einen anderen Weg einschlagen. Egal, ob man diesen alleine geht oder in Begleitung. Etwas nur für sich selber machen. Nur für sich. Für sich alleine.

Ich muss ausbrechen. Aus diesem Alltag. Aus mir selbst. Mich wagen, neue Wege zu gehen. Nicht auf der Stelle treten. Weitergehen. Nicht stehenbleiben. Niemals. Rennen. Durch die Wiese. Aber nicht davonrennen. Weitergehen. Immer weiter. Bis zum Ziel. Oder bis ich eine Pause brauche. Bis zur nächsten Weggabelung. Immer weiter. Rastlos. Bis ich finde was ich Suche. Oder finde, was ich nicht gesucht habe.

Meine Schwester erlebt gerade die besten Monate ihres Lebens. Reist durch fremde Länder, lernt fremde Kulturen und Menschen kennen. Neue Eindrücke. Neue Geschichten zu erzählen. Geniessen. Ihre grösste Sorge, welchen Strand sie heute besuchen soll.
Und ich bin neidisch. Auf diese Sorgen. Auf ihr momentanes Leben. Ihre kleine Welt. Die sie abseits unserer Welt geschaffen hat. Ohne uns. Ohne mich.
Und ich freue mich für sie. Gönne ihr diese neue, aufregende Welt.
Und auch wen sie das nächste mal anruft, werde ich sie anlächeln und ihren Erlebnissen gespannt zuhören. Meine Tränen zurückhalten. Ihr sagen, es sei alles gut. Nur das Übliche.  Du weisst schon. Erzähl weiter. Weiter von deiner kleinen Welt. In der sich alles dreht. Ich vermisse Dich. Deine Stärke. Muss mich alldem selbst stellen. Ohne deine Hilfe. Erwachsen sein. Obwohl ich lieber im Nimmerland wäre. Will nicht erwachsen werden. Und ich vermisse dich. Ehrlich. Und bald kann ich wieder bei dir sein. Dreh mich in deiner kleinen Welt.  Für einen kurzen Moment. Ich vermisse dich.

-J-

Philipp Dittberner – Deine kleine Welt

 

 

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